XHTML-Richtlinien zur HTML-Kompatibilität heute noch sinnvoll?

09.11.2008 Der W3C-Note XHTML Media Types zufolge sollten XHTML-Dokumente als Media-Typ "application/xhtml+xml" behandelt werden. Sie können auch mit dem Media-Typ "text/html" ausgeliefert werden, wenn sie den HTML Compatibility Guidelines entsprechen. Damit sollte sichergestellt werden, dass XHTML-Seiten auch von HTML-Browsern dargestellt werden können, die kein XHTML verarbeiten können.

Die W3C-Empfehlung wurde im Jahre 2000 verabschiedet und zuletzt 2002 überarbeitet. Die Kompatibilitätsrichtlinien beziehen sich u.a. auf damals noch relativ verbreitete Browser wie Netscape 4. Dieser konnte beispielsweise einen Anker nur anhand des name Attributes erkennen. XHTML-konform muss ein Anker allerdings mit einer ID gekennzeichnet werden. So wurde in den Kompatibilitätsrichtlinien eine doppelte Kennzeichnung empfohlen:

<a id="foo" name="foo">bar</a>

Die Frage ist, ob man im Jahre 2008 eine Kompatibilität zu Browsern herstellen soll, die inzwischen schon lange kaum einer mehr benutzt? Der Media-Typ "text/html" findet allerdings für XHTML 1.0 zwangsläufig noch Verwendung, da der Internet Explorer auch in neueren Versionen beim Content-Type "application/xhtml+xml" die betreffende Seite downloaden möchte, statt sie darzustellen. Der IE hat aber keine Probleme mit einem nur durch eine ID gekennzeichneten Anker.

Muss man, wenn man zusätzlich zu den anderen modernen Browsern auch den Internet Explorer berücksichtigen möchte, auch gleich noch alle älteren Browser unterstützen? Die Guidelines beziehen sich auf "existing HTML user agents" - sind damit wirklich alle Browser gemeint, egal welchen Alters? Dieses schiene mir allerdings etwas inkonsequent. Netscape 4 kennt das button Element nicht, welches in HTML 4 eingeführt wurde. Die Verwendung dieses Elementes ist entsprechend auch in XHTML 1.0 mit dem Media-Type "text/html" zulässig, obwohl in älteren Browsern nicht darstellbar. Mal abgesehen davon, dass eh nur eine Minderheit der in XHTML geschriebenen Webseiten valide ist, halte ich einen etwas pragmatischeren Umgang mit den Kompatibilitätsrichtlinien für sinnvoll, in dem Sinne, dass nicht alle, sondern nur aktuell einigermaßen verbreitete "only-html" Browser bei Anpassungen des Markups Berücksichtigung finden.