Jörgs Webnotizen

Netscape 4 und CSS (I)

16.05.2003 Mit über 80% Anteil unter den Web-Browsern bestimmte der Marktführer, wo es lang ging: neue Features wie Frames und JavaScript wurden bald zum Standard, andere Browserhersteller mussten wohl oder übel nachziehen; und so sollte es auch bei den Style Sheets sein, mit denen man künftig HTML-Seiten formatieren wollte. Der Marktführer hieß damals Netscape, und die Style Sheets, die natürlich auf Netscapes JavaScript aufsetzten, JavaScript Style Sheets (JSSS). Doch das World Wide Web Consortium entschied sich wider Erwarten für die Cascading Style Sheets (CSS) als Standard, was Netscape gewissermaßen in die Bredouille brachte: in der neuen Version 4 waren bereits die JSSS eingebaut. Netscape entschloss sich daraufhin, CSS auf JSSS aufzusetzen, d.h. die Cascading Style Sheets wurden in JavaScript Style Sheets übersetzt, die dann ihrerseits ausgeführt wurden. Was dabei herauskam, war ein Browser, der versuchte CSS umzusetzen, dies aber nicht wirklich konnte - ein Grauen für Webdesigner, die versuchten, vernünftig mit Style Sheets zu arbeiten.

1997 begann der Abstieg von Netscape, Microsoft nutzte sein Quasi-Monopol unter Desktop-Betriebssystemen, um Netscape zugunsten des Internet Explorer zu verdrängen. Der Software-Gigant aus Redmond war in seinem Vorgehen alles andere als zimperlich, was ihm Jahre später auch eine gerichtliche Verurteilung einbrachte - wenn auch ohne schwerwiegende Konsequenzen. Der Aufstieg des Internet Explorer war aber sicher auch begründet auf der Tatsache, dass der technologische Vorsprung von Netscape nicht nur verlorenging, sondern Microsofts Browser in der Entwicklung bald vorne lag - zumindest was die Umsetzung von HTML und insbesondere CSS anbelangte.

Es ist inzwischen sechseinhalb Jahre her, dass die Cascading Style Sheets zum Web-Standard erklärt wurden, aber formatiert wird heute immer noch großenteils direkt in HTML - mit Rücksicht auf Netscape 4. Meine Seite JörgKrusesWeb habe ich weitgehender mit CSS formatiert, als dies üblich ist, Netscape 4 musste ich dabei die validen Style Sheets allerdings vorenthalten, ansonsten hätte er mir das Layout völlig verhauen, wie Screenshots belegen. (Bei den Webnotizen nehme ich mehr Rücksicht auf NS 4, formatiere die Hintergründe in HTML und mittels blinder Tabellen).

Sicher gibt es Gründe, warum ein User an seinem alten Netscape festhält; was die Internet-Sicherheit anbelangt, kann man ihn z.B. dem Internet Explorer durchaus vorziehen. Inzwischen gibt es allerdings würdige Nachfolger für den alten Netscape: Mozilla als direkte Weiterentwicklung schlägt inzwischen auch den Internet Explorer, was die Umsetzung von Webstandards anbelangt; der neue Netscape 7, der wiederum auf dem Mozilla-Browser basiert; und wer mal etwas ganz anderes ausprobieren möchte, der kann sich auch den norwegischen Browser Opera herunterladen. Die Alternativen sind gegeben, der Marktanteil von Netscape 4 schwindet kontinuierlich - auf ein Maß, wo mehr und mehr Webmaster ihre Webseiten für den einstigen Marktführer nicht mehr optimieren. Die Inhalte einer Webseite sollte man Netscape 4 Usern natürlich nicht vorenthalten, aber sie sollten mit einem veralteten Browser nicht erwarten, stets das gleiche Layout zu sehen zu bekommen wie die Nutzer anderer Browser.

Der Abgang von Netscape 4 ermöglicht die Nutzung von CSS in größerem Maße wie bisher, Webentwicklung richtet sich nun mal nach dem Schlusslicht der verbreiteten Webbrowser aus. Die rote Laterne wird Netscape 4 bei seinem Verschwinden in die Bedeutungslosigkeit wohl an den heutigen Marktführer, den Internet Explorer, abgeben - denn dieser hat seinen technischen Vorsprung gegenüber Mozilla, Opera, Konqueror sowie dem neuen Netcape bereits eingebüßt.

Fortsetzung: Ein eigenes Style Sheet für Netscape 4, weitere Webnotiz zum Thema: Abschied von Netscape?

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