Jörgs Webnotizen

Krieg?

18.03.2003 Es gäbe so einige Themen, über die ich auf meiner Seite schreiben könnte, die allerdings angesichts der derzeitigen Kriegsvorbereitungen der USA an Wichtigkeit einbüßen. Es widerstrebt mir zwar, zu diesem Thema etwas zu schreiben, aber ist Schweigen angesichts heraufziehenden eines Krieges angebracht? Schweigen ist wohl das einfachste, wenn man nicht Gefahr laufen möchte, die komplexen Zusammenhänge zu vereinfachen. Nun kann Schweigen Ausdruck sein von einem Ist-mir-egal-sollen-sie-sich-dort-unten-doch-die-Köpfe-einschlagen, oder aber auch von Ratlosigkeit und Ohnmacht. Während ersteres nicht auf mich zutrifft, kann ich meine Ohnmacht wenigstens etwas lindern, indem ich meine Verachtung über die Mächtigen zum Ausdruck bringe, auch wenn dies nur in zwei kleine Absätzen geschieht.

Anscheinend bestimmen nur noch zwei Menschen auf der Welt, der eine in Bagdad, der andere in Washington, den weiteren Lauf der Dinge, unbeeindruckt von dem, was andere von sich geben. Ich habe nichts dagegen, wenn der skrupellose Saddam eines unnatürlichen Todes stirbt. Nur werden mit ihm wohl nicht wenige Unschuldige sterben müssen, wenn die Regierung der USA ihre eigene Armee und die williger Verbündeter zur Tat schreiten lässt. Opfer unter der Zivilbevölkerung werden dann wie üblich als unvermeidliche Kollateralschäden verbucht.

Vielleicht wird am Ende ein unmenschlicher Diktator beseitigt, der in den Achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts von der us-amerikanischen Regierung noch mit Waffen unterstützt wurde. Damals hatte Saddam einen Krieg gegen den bösen Iran angezettelt, und man hatte wohl nicht nur in Washington ein Auge zugedrückt, als er seine Kriegsgegner dabei auch mit Giftgas traktierte. Böse wurde er selbst eigentlich erst, als er das kleines Nacharland Kuwait besetzte, aus dem Richtung Westen reichlich Öl floss. Sicherlich hat sich Saddams unmenschliches Regime zu einer Bedrohung für den Frieden entwickelt; aber diejenigen, die dem Diktator seinerzeit dabei unter die Arme gegriffen haben, dass es sich dazu entwickeln konnte, haben in meinen Augen heute nicht das moralische Recht jene herabzuwürdigen, die nicht bereit sind, die Bedrohung des Friedens mittels eines Krieges zu beenden.

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